Immer noch zu viele Nährstoffe in der Nordsee

Trotz jahrzehntelanger Anstrengungen, die Einträge von Nährstoffen in die Gewässer und nachfolgend in die Nordsee zu verringern, ist das Wattenmeer immer noch zu hoch mit Nährstoffen belastet.
Im September 2025 endete das vierjährige Forschungsvorhaben NAPSEA (N and P — from Source to Sea“), in dem Forschende aus den Niederlanden, Deutschland und Österreich unter Beteiligung des Umweltbundesamtes effektive Maßnahmen zur Eintragsreduktion am Beispiel des Wattenmeeres untersuchten. Als ein wesentliches Ergebnis (Deliverable) wurde zum Projektende ein Policy Brief herausgegeben, das nationalen politischen Gremien und Behörden Bedarfe und Möglichkeiten eines integrierten Nährstoffmanagements aufzeigt.
Drei Flüsse als Nährstofflieferanten
Im Einzelnen wurden die beiden größten Nährstoffzuflüsse Rhein und Elbe in Deutschland sowie der Fluss Hunze in den Niederlanden betrachtet. Letzterer ist durch ein stark landwirtschaftlich geprägtes Einzugsgebiet gekennzeichnet. Viertes Gebiet für die so genannten Case Studies im Projekt ist das Wattenmeer selbst.
Als Folge der bisherigen Anstrengungen für den Gewässerschutz sind die Nährstoffkonzentrationen im Vergleich zu den 1990-er Jahren (Elbe) bzw. den 1980-er Jahren (Wattenmeer) um etwa 50 % gesunken, so ist den Beschreibungen auf der Projektwebseite zu entnehmen. Dennoch bestehen immer noch Probleme mit hohen Wachstumsraten an Phytoplankton in der Elbe bei Hamburg. Während im nördlichen Teil des Wattenmeers der Rückgang bei Phytoplankton und Grünalgen durch das Wiederaufleben von Seegras feststellbar ist, gilt das südliche Wattenmeer noch als zu stark eutrophiert. Es geht den Forschenden aber nicht nur um die Gesamtkonzentrationen der Nährstoffe, sondern um eine ausgewogene Nährstoffbalance.
Im Detail schauten die Forschenden aus den drei komplementären Perspektiven
- Ökosystemgesundheit, d.h. auf den Reduktionsbedarf basierend auf bestehenden und neuen Ökosystemindikatoren,
- Eintragspfade und Maßnahmen, insbesondere darauf, ob die aktuellen Politikziele für den Gewässerschutz ausreichen,
- Governance und gesellschaftliche Akzeptanz, unter anderem darauf, ob Öffentlichkeit und Landwirtschaft (weitere) Reduktionsmaßnahmen unterstützen.
Reduktionsbedarf viel höher als durch bisherige Vorgaben erreichbar
Hinsichtlich der Gesundheit der Ökosysteme stellten die Projektteilnehmer:innen fest, dass die in der nationalen Oberflächengewässerverordnung festgelegten Zielwerte allein nicht ausreichen, um das Wattenmeer vor Eutrophierung zu schützen. Außerdem sollten bestehende wie neue Ziele nachvollziehbar abgeleitet sein. Ein in der Öffentlichkeit wahrgenommener Indikator ist beispielsweise die Rückkehr des Seegrases ins Wattenmeer.
Die Wissenschaftler:innen modellierten die Nährstoffeinträge in das Wattenmeer unter Berücksichtigung des Klimawandels bis 2050, sowie für den Fall, dass bestehende Richtlinien wie die Kläranlagen-, die Nitratrichtlinie sowie Vorgaben zur Luftreinhaltung vollständig eingehalten werden und auch naturbasierte Lösungen (Gewässerrandstreifen und Auen) für den Nährstoffrückhalt sorgen. In weitergehenden Szenarien wurden dann auch weitergehende Ziele auf zu erwartende Nährstoffreduktion untersucht:
- Kläranlagen erreichen, größenabhängig, die heutigen mittleren Nährstoffrückhalte und Ablaufkonzentrationen,
- Reduktion der Stickstoffüberschüsse in Deutschland durch standortspezifische Düngung (Beschränkung auf 80 % des Pflanzenbedarfs),
- Reduktion des Stickstoffeintrags in die Atmosphäre durch Umsetzung aller technisch möglichen Maßnahmen (und Umsetzung von Klimazielen mit deutlich geringerem Tierbestand),
- Erweiterung der Fläche der aktiven Auen um 20 % (Anschluss von 30 % der Altauen).
Aus den betrachteten Szenarien schlossen die Projektteilnehmenden, dass die Durchsetzung drastischerer Ziele und Maßnahmen, die über die aktuell geltende Gesetzgebung zum Gewässerschutz hinausgehen, notwendig ist, um die in den Analysen festgestellten Reduktionsbedarfe zu erreichen.
Die Ergebnisse des Projekts NAPSEA will das Umweltbundesamt aktiv in die nationalen und internationalen Diskussionen zur Bekämpfung der Eutrophierung einbringen.




