CDR: Unterschätzte Potenziale bei Abwasser und Abfall

CDR (Carbon Dioxide Removal) steht für die CO2-Entfernung aus der Atmosphäre mit anschließender langfristiger Speicherung. CDR-Technologien, die so genannte negative Emissionen bewirken, gelten als essenziell, um die globalen Klimaziele zu erreichen. Eine neue Publikation von Carbon Gap zeigt die Potenziale für CRD-Anwendungen in der Abwasser- und Abfallbehandlung auf.
Im April 2026 veröffentlichte Carbon Gap die in Kooperation mit Deloitte North and South Europe erstellte Studie „No wasted opportunities – Embedding carbon removal in the management of wastewater, concrete and mine waste“. In diesem Bericht wird das große und bislang nur unzureichend genutzte Potenzial der drei Sektoren Abwasserbehandlung, Betonrecycling und die Behandlung von Bergbauabfällen für die Implementierung von CDR-Technologien dargestellt.
CDR: Abgrenzung zu CCS und CCU
Bei CDR-Technologien geht es um von Menschen initiierte Maßnahmen, mit denen CO2 aus der Atmosphäre gewonnen und dauerhaft in geologischen Reservoirs, in der Erde oder den Ozeane gespeichert wird – oder in langlebigen Produkten. Dabei gehört die direkte CO2-Gewinnung aus der Atmosphäre zwar auch dazu, aber oft geht es auch um die Behandlung von Biomasse derart, dass dabei die CO2-Freisetzung in die Atmosphäre langfristig, d.h. über Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende verhindert wird. In jedem Fall gibt es eine klare Unterscheidung zwischen CDR und anderen Praktiken des Kohlenstoffmanagements, allen voran CCS und CCU (carbon capture and storage bzw. utilization). Eine genaue Darstellung, welche Maßnahmen zu CDR gezählt werden, gibt auch das im Februar 2026 veröffentlichte Policy Paper „Scaling up carbon dioxide removals“ des European Scientific Advisory Board on Climate Change.
CDR-Potenziale der drei Branchen in Zahlen
Abwasserwirtschaft: In der EU werden jährlich etwa 40 Mrd. m3 Abwasser behandelt, weltweit sind es 380 Mrd m3. Die direkten Treibhausgasemissionen (CH4, N2O und biogenes CO2) machen einen bedeutenden Anteil der Gesamtemissionen von Kläranlagen aus. Die theoretisch speicherbare CO2-Menge beträgt 16,6 Mt CO2 pro Jahr in der EU, weltweit, sind es 116 Mt.
Betonrecycling: Mit einer jährlichen Abfallmenge von 230 Mt in der EU und 1,5 Gt weltweit ergibt sich eine theoretisch speicherbare CO2– Menge von 2, 3 – 5,7 Mt in der EU und 7,6 bis 18,9 Mt weltweit.
Behandlung von Bergbauabfällen: Hier geht es insbesondere um Abfälle aus der Gewinnung von Nickel und den Metallen der Platingruppe (PGM). Sie bestehen aus mafischem und ultramafischem Gesteinen, die reich an Magnesium – und Kalziumsilikaten sind. Diese sind in Lage, bei Kontakt mit Luft und Wasser CO2 an sich zu binden und in Form stabiler Karbonate zu speichern. Global entstehen etwa 384 – 621 Mt pro Jahr an Gesteinsabfall im Nickelbergbau. Die Gewinnung von Metallen der PGM-Gruppe erzeugt 53 – 89 Mt Abfall pro Jahr. Das Potenzial für CDR-Technologien wird auf 136 – 221 Mt CO2 pro Jahr bis 2030 geschätzt.
Alle in diesem Abschnitt genannten Zahlenwerte sind der Studie entnommen. Dort sind die zugrunde gelegten Quellen verlinkt.
Was fehlt, um CDR-Technologien in diesen Branchen zu etablieren?
Das Dokument gibt einen Überblick über die CDR-Verfahren, die in Kläranlagen, beim Betonrecycling und bei der Behandlung von Bergbauabfällen zum Einsatz kommen können. Nicht alle Möglichkeiten haben schon einen technologischen Reifegrad von 8 oder 9.
Darüber hinaus werden aber auch die aktuellen Herausforderungen für die Skalierung von CDR-Technologien benannt. Diese bestehen beispielsweise in Form von Wissenslücken, fehlenden Daten und der noch nicht stattgefunden Anpassung der Standards für die GHG-Bilanzierung und -Berichterstattung.
Des Weiteren werden Empfehlungen gegeben für die Politik, die mit der Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen, der Finanzierung von Pilot- und FOAK-Projekten (First-of-a-kind), der Integration von CDR in die öffentliche Beschaffung und nicht zuletzt dem Ausbau von Infrastrukturen und Standards die Skalierung von CDR-Technologien vorantreiben sollte.
Über die Möglichkeiten der Implementierung von CDR in den einzelnen Branchen finden Sie in nächster Zeit weitere Beiträge auf dieser Webseite.






