WBGU-Teilgutachten: Sicherheit braucht Umwelt- und Klimaschutz

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) erarbeitet zurzeit ein Hauptgutachten mit dem Titel „Sicherheit – nachhaltig und integriert“. Nun legte der WBGU schon ein Teilgutachten vor mit dem Titel „Umwelt prägt Sicherheit“, in dem die Rolle von Umweltschutz und Schutz vor Klimawandel für die Sicherheit analysiert wird.
Sicherheit ist mehr als Zivilschutz und militärische Verteidigungsfähigkeit, sondern es bedarf eines integrierten Sicherheitsansatzes. Das hatte der WBGU schon im März 2026 in einer ersten Lagebeurteilung verdeutlicht und sechs Stützpfeiler einer vieldimensionalen Sicherheitsarchitektur benannt:
- militärische Verteidigungsfähigkeit/Zivilschutz,
- abgewogene Nutzung von Technologien und Rohstoffen, denn sie reduziert unsere Abhängigkeit,
- sozialer Zusammenhalt fördert wehrhafte und resiliente Gesellschaften,
- Schutz vor Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Verschmutzung bewahrt unsere Lebensfähigkeit,
- Informationsintegrität bildet die Grundlage für eine wehrhafte Demokratie,
- strategische, regelbasierte und faire Kooperation stärkt die internationale Zusammenarbeit.
Die Reihenfolge der Aufzählung ist keinesfalls hierarchisch gemeint und keiner dieser Stützpfeiler steht für sich allein, sondern es gibt wechselseitige Beziehungen und Abhängigkeiten.
Welche Rolle spielen globale Umweltveränderungen für die Sicherheit?
Umweltverschmutzungen, Klimawandel und Biodiversitätsverlust sind Sicherheitsrisiken, also können eine erfolgreiche Umwelt- und insbesondere Klimapolitik zur nationalen Sicherheit beitragen. Diese Zusammenhänge sind zwar schon in die Nationale Sicherheitsstrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2023 eingegangen, wurden aber laut WBGU bisher nicht konsequent umgesetzt.
Die Expertinnen und Experten stellen deutlich heraus: Ohne Umweltpolitik gibt es keine nachhaltige Sicherheitspolitik!
Das Zusammenspiel von Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung trägt zu Verarmungs- und Destabilisierungsprozessen bei.
Und die Abhängigkeit von insgesamt 86 % der Weltbevölkerung von staatlichen Importen fossiler Energieträger muss nach Ansicht des WBGU reduziert werden. Die Beiratsmitglieder plädieren gleichermaßen für den Ausbau erneuerbarer Energien wie für die weitgehende Elektrifizierung des Verkehrs- und Gebäudesektors.
Bemühungen auf verschiedenen politischen Ebenen seit 2007
Bereits seit 2007 beschäftigen sich Politiker:innen, zunächst im UN-Sicherheitsrat, aber nachfolgend auch in der NATO und auf EU-Ebene mit der Integration von Umwelt- und Sicherheitspolitik. Seit 2017 gibt es auch in Deutschland entsprechende Politikkonzepte. Ab 2022 haben sich die Aktivitäten mit folgenden Initiativen vervielfacht:
- Deutsche Strategie zur Stärkung der Resilienz gegenüber Katastrophen (2022),
- Nationale Wasserstrategie (2023),
- Nationale Sicherheitsstrategie „Integrierte Sicherheit für Deutschland. Wehrhaft. Resilient. Nachhaltig.“ (2023,
- Umsetzungsplan der Deutschen Strategie zur Stärkung der Resilienz gegenüber Katastrophen (2024),
- Nationale interdisziplinäre Klima-Risikoeinschätzung (NiKe, 2025) und
- die Bewerbung Deutschlands um einen nicht ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat mit dem zentralen Thema Sicherheitsrisiken durch den Klimawandel.
Mit der Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat ist Deutschland für die kommende Periode 2027 – 2028 allerdings am 3. Juni 2026 gescheitert.
Was empfiehlt der WGBU?
Die zentralen Empfehlungen sind:
- Den Umweltschutz stärker in die Sicherheitsarchitektur integrieren,
d.h. Umweltrisiken sollten zentraler Bestandteil der Arbeit des Nationalen Sicherheitsrates sein
systematische Risikoanalysen sollen Risiken durch Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Verschmutzung einbeziehen und
Konfliktprävention und Friedenssicherung bzw. -förderung müssen im Bundeshaushalt die gleiche Wertigkeit bekommen wie die Verteidigung - Klimastabilisierung, unter anderem durch den Ausbau erneuerbarer Energien und durch Elektrifizierung
- gesetzliche Priorisierung des Erhalts der natürlichen Infrastruktur für den Bevölkerungsschutz
- Ausbau friedensfördernder Umweltprojekte unter lokaler Führung.
Quelle: WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2026): Sicherheit – nachhaltig und integriert: 1. Umwelt prägt Sicherheit. Berlin: WBGU., Link zum Teilgutachten
Beitragsbild: KI-generiert mit https://chat.mistral.ai, kostenlose Version. Prompt: Please create a picture that emphasizes the need for environmental protection and climate protection to prevent armed conflicts.






