Mit Molekülen aus Seegras Krebs bekämpfen

Im gemeinsamen Projekt SeaGal untersucht ein Team aus Pharmazeut:innen und Krebsforschenden in Kiel, ob bestimmte Zuckermoleküle aus den Zellwänden von Seegras sich als Wirkstoffe zur Bekämpfung von Bauchspeicheldrüsenkrebs eignen.
Das im August 2025 angelaufene Projekt wird von Professorin Birgit Classen vom Institut für Pharmazie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) geleitet. Sie und ihr Team bearbeiten es gemeinsam mit Krebsforschenden um Professorin Susanne Sebens vom Institut für Experimentelle Tumorforschung an der CAU und dem Campus Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). SeaGal dauert 15 Monate und wird mit 330.000 € vom Blue-Health Tech-Bündnis gefördert.
Im Fokus: Glykoproteine
In den Zellwänden von Seegras (Zoster marina) befinden sich so genannte Arabinogalaktan-Proteine (AGPs). Wie der Webseite der Arbeitsgruppe „Pflanzenglykane“ von Prof. Classen zu entnehmen ist, sind AGPs Signalmoleküle mit einem kleinen Proteinanteil und einem großen Polysaccharidanteil. Diese AGPs binden an ein Protein namens Galektin-3 (Gal-3) an, das auf der Oberfläche vieler Tumorzellen vorkommt und deren Wachstum fördert.
„Die Zuckermoleküle aus den Zellwänden von Zostera marina könnten durch ihre Bindung an das Gal-3 auf den Krebszellen möglicherweise das Tumorwachstum bremsen“, betont Classen, Leiterin des SeaGal-Projekts.
„Ein ähnlicher, bereits bekannter Wirkstoff aus Zitrusfrüchten hat in klinischen Studien bereits vielversprechende Ergebnisse gezeigt. In unserem Projekt wollen wir herausfinden, ob die AGPs aus Seegras-Zellwänden ein ähnliches oder möglicherweise noch größeres Potenzial zur Tumorhemmung aufweisen und insbesondere auch weitere Galektine hemmen könnten“, ergänzt Dr. Lukas Pfeifer, Wissenschaftler in Classens Arbeitsgruppe.
Der Projektbeitrag dieser Arbeitsgruppe besteht darin, AGPs aus dem Seegras zu isolieren, daraus sogenannte Seegras-Galaktane (SGs) zu gewinnen und deren Bindungseigenschaften an verschiedene Galektine zu untersuchen.
Hoffnung für Patient:innen mit Bauchspeichendrüsenkrebs
Die IET-Arbeitsgruppe Inflammatorische Karzigonese um Prof. Susanne Sebens untersucht, welche Wirkung die SGs nach der Bindung an die Gal-3-Proteine auf der Oberfläche von Bauchspeicheldrüsenkrebs-Zellen entfallen. Als Testobjekte werden 3D-Tumormodelle verwendet, die aus Krebszellen von Patient:innen bestehen.
„Auch komplexe Tumorgewebe mit Immunzellen und Bindegewebe bilden wir nach, um die Wirkung möglichst realitätsnah zu überprüfen und Effekte auf Zellteilung, Zelltod und Invasion von Krebszellen zu verstehen“, erklärt IET-Leiterin Sebens.
Das BlueHealth-Konsortium
Das SeaGal-Projekt ist eines von zahlreichen Projekten den BlueHealth-Konsortiums, das die Potenziale des Ozeans für die Entwicklung innovativer Gesundheitstechnologien nutzen will. Das Konsortium wird vom Bundesforschungsministerium mit insgesamt 15 Mio. € finanziert und erhielt kürzlich eine weitere Förderung bis Ende 2028. Es wird vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, der CAU und dem UKSH in Kiel unter der Leitung von Professor Anton Eisenhauer koordiniert.
Weitere Informationen:
Arbeitsgruppe Pflanzenglykane Kiel, Pharmazeutische Biologie, Pharmazeutisches Institut, CAU: https://www.pharmbio.uni-kiel.de/de/classen
Institut für Experimentelle Tumorforschung, UKSH/Medizinische Fakultät, CAU: https://www.iet.uni-kiel.de
Blue Health Tech, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel: https://bluehealthtech.de




