Einhaltung der planetaren Belastungsgrenzen erfordert neues Wirtschaftssystem

Die Erde hat ihre planetaren Belastungsgrenzen überschritten. Da reicht es nicht mehr aus, aktuell und zukünftig die Entstehung von Umweltschäden zu verhindern, sagen Wissenschaftler:innen des Wuppertal Instituts im gerade erschienenen InBrief 15. Stattdessen ist ein Wirtschaften gefragt, bei dem ökonomischer Erfolg fest mit der Wiederherstellung ökologischer und sozialer Systeme verbunden wird.
Am 15. März 2026 erschien der IN Brief 15: Regeneratives Wirtschaften und die planetaren Grenzen: eine Forschungs- und Impact-Agenda. Clara Baues, Dr. Holger Berg und Prof. Stephan Ramesohl zeigen in ihrer Veröffentlichung, warum bisherige Strategien wie Net-Zero, Effizienzsteigerungen und Recycling nicht ausreichen, um die ökologischen Krisen zu bewältigen. Sie plädieren für ein Wirtschaftsverständnis, das nicht nur Schäden vermeidet, sondern aktiv zur Restauration von Ökosystemen beiträgt und die Regeneration natürlicher Systeme integriert.
Regeneration als Maßstab wirtschaftlichen Handelns
Dieses Wirtschaftsverständnis bedeutet, dass Regeneration als übergeordnete Zielgröße für nachhaltiges Wirtschaften etabliert wird. Zudem sollte die Wissenschaft nicht nur Entwicklungen analysieren, sondern aktiv dazu beitragen, Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft anzustoßen.
„Selbst wenn wir heute alle Emissionen stoppen würden, wäre damit noch nichts wieder in Ordnung gebracht. Deshalb reicht Schadensbegrenzung – die zweifelsohne wichtig, aber eben nicht hinreichend ist – nicht aus: Wir müssen die Wirtschaft perspektivisch so gestalten, dass natürliche Systeme sich wieder regenerieren können“, sagt Clara Baues, Researcherin im Forschungsbereich Zirkuläre Ökosysteme und Governance am Wuppertal Institut und Hauptautorin des In Briefs.
Technologien sind nicht genug
Aktuelle Nachhaltigkeitsstrategien beinhalten Technologien zur Effizienzsteigerung, für das Recycling und die Reduktion oder gar vollständige Verhinderung von CO2-Emissionen. Falls letzteres nicht möglich ist, nutzen Unternehmen und Staaten Möglichkeiten, Treibhausgasemissionen bilanziell auszugleichen.
Mit all diesen Maßnahmen wird zwar viel erreicht, aber bestenfalls können damit nur der bereits bestehende kritische Zustand der ökologischen Systeme stabilisiert und eine weitere Verschlechterung verhindert werden.
Die Autor:innen des InBriefs fordern stattdessen eine integrierte Forschungs- und Impact-Agenda. Denn regeneratives Wirtschaften sei bisher noch kein vollständig ausgearbeitetes wissenschaftliches Konzept.
Restauration und Regeneration im Zusammenspiel
Im Mittelpunkt des neuen Wirtschaftens steht nach dem vorgestellten Konzept die Kombination von Restauration und Regeneration am selben Ort. Dabei beziehen sich die Autor:innen auf Definitionen dieser beiden Begriffe nach Dr. Piero Morseletto, der an der Erasmus Universität Rotterdam „Circular Economy, Strategies and Business Modells“ lehrt:
„Restauration erfolgt von außen, als Versuch etwas wiederherzustellen, also ein System künstlich zurück in den gesunden Zustand zu bringen, etwa durch Aufforstung von Brachflächen.
Regeneration hingegen erfolgt auf Basis systemimmanenter Mechanismen, also von innen heraus, und ist „funktionale Selbst-Erneuerung“.“
Im idealen Fall schafft also die Restauration die Rahmenbedingungen, damit Regeneration an einem Wirkungsort stattfinden kann, und zwar nicht irgendwo auf der Welt, sondern in den Ökosystemen, die vom unternehmerischen Handeln betroffen sind.
Hier nochmal der Link zum InBrief 15.
Beitragsbild: Pixabay




