Ob Hochzeiten, Trauerfeiern, Jubiläen oder andere festliche Anlässe: Blumenschmuck gehört dazu. Außerdem sind Blumen wie Zierpflanzen beliebte Geschenke. Doch ein sehr großer Anteil der hierzulande gekauften Schnittblumen und Zimmerpflanzen sind importiert. Ihr Anbau und lange Transportwege sind mit hohen Emissionen an Treibhausgasen verbunden.
In einem aktuellen DBU-Projekt entwickeln Forschende der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) hydroponische Konzepte für den umweltfreundlichen Blumenanbau, die mittelständischen Gärtnereien in Deutschland eine neue wirtschaftliche Perspektive eröffnen sollen.
Blumenimporte sind gestiegen — Gärtnereien hierzulande schwächeln
Laut aktueller Außenhandelsdaten des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2025 für gut 3,5 Mrd. € Pflanzen und Waren des Blumenhandels importiert, das sind etwa 14,9 % mehr als im Vorjahr. Wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) aus ihrer Quelle Statista mitteilt, werden die meisten der importierten Blumen aus den Niederlanden angeliefert. Aber viele Pflanzen stammen ursprünglich aus Afrika und Südamerika und werden aufwändig per Schiff oder Flugzeug nach Europa transportiert.
Dagegen erlebt die deutsche Gärtnereibranche gerade einen Strukturwandel: Immer weniger Betriebe bauen auf immer weniger Fläche Zierpflanzen an, so sie DBU. Einen Ausweg in doppelter Hinsicht können nachhaltige Lösungen bieten:
„Klimaschonende, regionale Konzepte schützen die Umwelt und lohnen sich oft auch wirtschaftlich – besonders für kleine und mittelständische Unternehmen“, meint DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.
Höherer Selbstversorgungsgrad, bessere Flächenausnutzung
Im Projekt Hyp4Blume, das von der DBU mit rd. 340.000 € gefördert und an der HSWT von Dr. Annette Bucher geleitet wird, soll ein hydroponisches Verfahren für Schnittblumen helfen, das Angebot von Endverkaufsgärtnereien an frischer, lokaler und umweltgerecht produzierender Ware zu erweitern. Gleichzeitig kann ein höherer Selbstversorgungsgrad mit Schnittblumen dazu beitragen, den Anteil an Importen zu reduzieren.
Um diesen höheren Selbstversorgungsgrad zu erreichen, ohne neue Flächen mit Gewächshäusern zu belegen, wendet das Projektteam das hydroponische Verfahren an. Dabei wachsen die Pflanzen nicht in der Erde, sondern in einem besonders nährstoffhaltigem Wasser. Da die Pflanzen die Nährstoffe direkt mit der Flüssigkeit aufnehmen, wachen sie schneller.
Die kürzere Wachstumszeit ermöglicht es, die Pflanztische über das Jahr besser auszunutzen:
„In Gärtnereien gibt es oft Phasen, in denen Pflanztische über längere Zeit nicht genutzt werden – zum Beispiel nach Ende der Beet- und Balkonblumen- Saison im Juli und August“, erläutert Annette Bucher. „Zusätzlich setzen wir auf Pflanzen mit geringer Wachstumszeit. In Kombination mit dem schnellen Wachstum durch den Anbau in der Nährlösung können die Gärtnereien selbst kurze Phasen mit ungenutzten Tischen optimal nutzen.“
Beispielsweise eigneten sich dafür Löwenmäulchen (s. Beitragsbild), Zinnien, Islandmohn, Bartnelken oder Ranunkeln.

Neue Chancen für ungenutzte Flächen: Der Anbau regionaler Zierpflanzen kann auf bereits bestehenden, zu bestimmten Zeiten aber oft ungenutzten Flächen einfach in den Gärtnerei-Alltag integriert werden.
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Pflanzen mit geringem Temperaturanspruch wählen
Prinzipiell lassen sich mit dem hydroponischen Verfahren fast alle Schnittblumen anbauen, aber das Projektteam will auch den Energieverbrauch optimieren.
„Wir achten aber darauf, Arten mit möglichst geringem Temperaturanspruch zu verwenden, damit wenig zusätzlich geheizt werden muss. Das reduziert Kosten und Emissionen – und ermöglicht einen ganzjährigen Anbau“, meint Projektmitarbeiter Raffael Wons.
Das hydroponische Konzept erlaube außerdem eine mehrfache Blumenernte ohne erneute Aussaat, weil die Pflanzen wieder nachwachsen. Das bedeutet, die Gärtnereien entscheiden, wann und wie lange bzw. wie oft sie mit diesem Verfahren Schnittblumen anbauen wollen.
Leichte Umsetzbarkeit für alle Betriebe
Bei der Konzeptentwicklung geht es dem Team um die Verwendung nachhaltiger und wiederverwendbarer Materialien mit geringen Anschaffungskosten. Die Substratbehältnisse, in denen die Blumen wachsen, sollen beispielsweise aus Sphagnum-Moos oder Holzfasern bestehen und die Hydroponik-Platten sollen wiederverwendbar sein und möglichst günstig in der Anschaffung.
Langfristig soll der Projektleiterin zufolge möglichst auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet werden, letztere könnten beispielsweise durch Nützlinge ersetzt werden. In Zusammenarbeit mit Düngemittelherstellern sollen praktikable Düngekonzepte erstellt werden.
Kooperationspartner helfen bei der Einführung in den Markt: Der Erzeugerring für Blumen und Zierpflanzen Bayern Süd e. V., unterstützt als Multiplikator die Einführung des Verfahrens in den Pilotbetrieben und später in allen interessierten Praxisbetrieben. Das Potenzial einzelner Schnittblumenarten für die Floristik wird in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Fachschule für Blumenkunst Weihenstephan erarbeitet.
Beitragsbild: Löwenmäulchen, Quelle: Gernot/Pixabay





