Ende Januar 2026 veröffentlichte die Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission zusammen mit spezialisierten Partnern ihre aktuelle Studie zu den erwarteten Kosten der PFAS-Verschmutzung. Nach heutigem Stand werden die Kosten bis 2050 auf 440 Milliarden Euro geschätzt, wenn es keinerlei Regulierung zur Verwendung und Emissionsverhinderung von PFAS gibt.
Vier Szenarien betrachtet
Die Studie ermittelt die gesellschaftlichen Kosten der PFAS-Verschmutzung für vier Szenarien:
- Business as usual (BAU), was die Emissionen angeht,
- vollständige Konformität mit der Trinkwasserrichtlinie,
- vollständige Konformität mit den Umweltqualitätsnormen (UQN) und
- ein vollumfängliches Verbot der Herstellung und Verwendung von PFAS.
Diese vier Szenarien wurden für den Zeitraum von 2024 bis 2050 modelliert, basierend auf den Daten von 2024. Die Ausgangsdaten wurden durch eine umfassende Literaturrecherche und gezielte Expertenbefragungen ermittelt.
Stoffliche Einschränkungen machen die Autor:innen bei den Gesundheitskosten, denn hier wurde nur die kleine Anzahl der bereits regulierten Stoffe behandelt, deren gesundheitliche Auswirkungen schon bekannt und quantifizierbar sind. Diese Stoffe sind PFOA, PFOS, PFHxS und PFNA. Als die am meisten gefährdeten Menschen werden neben Säuglingen und Kindern Menschen identifiziert, die in der Nähe besonders kontaminierter Orte leben und/oder arbeiten.
Bei den Szenarien 1 und 2 verringern sich zwar rechnerisch die (bisher quantifizierbaren) Gesundheitskosten langsam im Laufe der Zeit, weil die für die bereits als gesundheitsschädlich bekannten Stoffe schon Verbote in Kraft sind, dafür steigen aber die Kosten für die Behandlung bzw. Sanierung von Wasser und Boden ebenso wie die Kosten, die durch den Verlust von Ökosystemleistungen entstehen. Szenario 3 führt auch zur Reduktion der Gesundheitskosten, aber zu extrem hohen Summen für die Abwasseraufbereitung. Nur Szenario 4 führt langfristig auch zu einer Reduktion von Sanierungskosten. Die Szenarien 3 und 4 machen sich über die Zeit auch in einem Rückgang der Verluste bei den Ökosystemleistungen bemerkbar.
Jessika Roswall, EU-Kommissarin für Umwelt, Wasserresilienz und wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft, sagte dazu:
„Klarheit über PFAS zu schaffen und deren Verwendung in Konsumgütern zu verbieten, hat sowohl für die Bürger als auch für die Unternehmen höchste Priorität. Deshalb ist es für mich absolut vorrangig, daran zu arbeiten und mit allen relevanten Interessengruppen zusammenzuarbeiten. Die Verbraucher sind besorgt, und das zu Recht. Diese Studie unterstreicht die Dringlichkeit, zu handeln.“
Aktueller Stand der PFAS-Regulation in der EU
In der EU sind die oben genannten Stoffe PFOS, PFOA, PFHxS und Verwandte sowie langkettige PFCA bereits verboten. Im Jahr 2024 wurde außerdem die Verwendung von Undecafluorhexansäure (PFHxA) und verwandten Substanzen in Verbrauchertextilien, Lebensmittelverpackungen, Kosmetika und anderen Verbraucherprodukten sowie für einige Anwendungen von Feuerlöschschäumen verboten. Seit Oktober 2025 läuft der phasenweise Ausstieg aus sämtlichen PFAS-Nutzungen in Feuerlöschschäumen.
Mit der Verabschiedung der neuen Trinkwasserverordnung gilt für alle Mitgliedsstaaten die Pflicht zur Überwachung von PFAS im Trinkwasser und die Einhaltung von Grenzwerten.
Mit der finalen Beurteilung des PFAS-Beschränkungsvorschlags durch die Europäische Chemikalienagentur wird bis Ende 2026 gerechnet. Die Kommission will ihren Regulierungsvorschlag auf der Basis der ECHA-Beurteilung erstellen.
EU-Studie: European Commission: Directorate-General for Environment, Ricardo, Trinomics and WSP, The cost of PFAS pollution for our society – Final report, Publications Office of the European Union, 2026, https://data.europa.eu/doi/10.2779/9590509
Beitragsbild: KI-generiert, initiiert von Hildegard Lyko




