Landwirtschaft ohne chemische Pestizide: langfristig mit positiven Effekten

Nach Nacheinschätzung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen — FAO werden weltweit pro Jahr etwa 3,7 Millionen Tonnen aktiver Wirkstoffe in der Landwirtschaft eingesetzt. Können landwirtschaftliche Betriebe in den unterschiedlichen Anbauregionen der Welt darauf verzichten und welche positiven und negativen Auswirkungen sind zu erwarten?
In einer weltweiten Umfrage hat eine Gruppe von Wissenschaftler:innen aus sechs Kontinenten unter Leitung von Prof. Dr. Niklas Möhring, Universität Bonn, die erwarteten Effekte der Umstellung auf nachhaltigen Pflanzenschutz zusammengetragen.
In der Studie, die Anfang Dezember 2025 in Nature Communications veröffentlicht wurde, wurden insgesamt 517 Expert:innen der Fachgebiete Landwirtschaft, Ökologie, Wirtschaftswissenschaft und Toxikologie aus den verschiedenen Kontinenten dazu befragt, welche Effekte sie durch eine Umstellung von der pestizidunterstützten Landwirtschaft auf den Anbau mit nachhaltigen Pflanzenschutzmethoden erwarten. Dazu sollten die Auswirkungen der Umstellung auf 24 Schlüsselindikatoren in den fünf Bereichen Umwelt, menschliche Gesundheit, Lebensmittel- und Ernährungssicherheit, Wohlstand und Lebensunterhalt der Landwirte sowie soziale Gleichheit und Sicherheit eingeschätzt werden.
Segen und Fluch chemischer Pestizide
Ohne wirksamen Pflanzenschutz würden bei den fünf wichtigsten pflanzlichen Lebensmittel (Weizen, Reis, Mais, Kartoffeln und Sojabohnen) Ernteeinbußen von im Mittel etwa 30 %, mit großen Schwankungen zwischen verschiedenen Anbauregionen, auftreten. Dies belegen verschiedene in der Studie zitierte Quellen.
Aber:
«Andererseits können chemische Pflanzenschutzmittel die menschliche Gesundheit gefährden und Ökosysteme schädigen», meint Prof. Niklas Möhring von der Universität Bonn, einer der Autoren der Studie.
Die große Herausforderung für Wissenschaft, Politik und (Agrar-)Industrie besteht also darin, die zukünftige Lebensmittelversorgung sicherzustellen und gleichzeitig durch die Förderung alternativer Pflanzenschutzmethoden und Veränderung der gesetzlichen Bedingungen für den Pestizideinsatz zu mehr Umweltschutz und zum Schutz der Biodiversität beizutragen.
Alternative Methoden des Pflanzenschutzes
Zu den alternativen Pflanzenschutzmethoden zählen die Züchtung und der Anbau resistenter und an die lokalen Bedingungen angepasster Sorten, diverse Fruchtfolgen, mechanische oder technologische Lösungen zur Eindämmung von Unkräutern oder auch die Pflanzung von Hecken an Ackerrändern, in denen sich natürliche Fressfeinde vermehren können.
Welche Maßnahmen umsetzbar und erfolgverprechend sind, hängt von den lokalen Gegebenheiten ab.
Die Studie zeigt Heterogenitäten hinsichtlich der abgefragten Indikatoren für die verschiedenen Kontinente. So zeigten sich beispielsweise große Unterschiede in der Einschätzung des Effekts der Umstellung auf alternative Pflanzenschutzmethoden auf die Ökonomie und die Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln. Während in Europa, Nordamerika und Ozeanien eher negative Auswirkungen auf das Einkommen der Agrarbetriebe erwartet werden (zumindest kurzfristig), sehen Asien, Südamerika und Afrika eher ökonomische Chancen.
Im Durchschnitt über alle betrachteten Regionen verbanden die Befragten positive Effekte für die Umwelt und die menschliche Gesundheit mit der Abkehr von Pestiziden. Die Autoren der Studie betonen, dass sie zunächst ein Meinungsbild eingeholt haben, viele alternative Methoden des Pflanzenschutzes und ihre Auswirkungen seien noch nicht ausreichend erforscht.
Originalpublikation:
Möhring, N.; Ba, M. N.; Braga, A. R. C.; Gaba, S.; Gagic, V.; Kudsk, P.; Larsen, A.; Mesnage, R.; Niggli, U.; Qaim, M.; Schreinemachers, P.; Stamm, C.; de Vries, W.; Finger, R. (2025) Expected effects of a global transformation of agricultural pest management, Nature Communications, 16(1), 10901 (20 pp.), doi:10.1038/s41467-025-66982-4
Beitragsbild: Manfred Richter/Pixabay




